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17. November 2003, 16:28 Uhr, meg

Militärsache

Vor ein paar hundert Jahren gab es einen kauzigen Schlag von Bergbauern, die mittels Mord und Totschlag, Brandstiftung und anderer terroristischer Akte ihren eigenen Kleinstaat aus dem Alpengranit stampften. Mit Dreschflegeln, Mistgabeln und ähnlichem Kriegsgerät, fochten sie gegen die Besitzansprüche des habsburgischen Landvogts und als es diesem schliesslich zu bunt wurde, überliess er dem helebardenschwingenden Mob die Auen und Matten und wandte sich profitableren Geschäften zu.
Von diesem scheinbaren Sieg von David über Goliath angestachelt, begannen die alpinen Milizionäre ganz im Sinne einer heldenhaften 'Befreiung vom kaiserlichen Joch' damit, da und dort kleine Landstriche von den adligen Herren jener Zeit zu stibitzen. Sie eigneten sich die befreiten Gebiete an und gliederten sie in ihren Bund ein. Als dieses Vorgehen aber mit der Zeit auf immer stärkeren Widerstand stiess, gab man sich mit der eroberten Kalkmolasse zufrieden und stellte die Kampfkraft der jungen Milizionäre von nun an vorderhand in fremder Herren Dienste. Was von den Erobererzeiten blieb war einzig der selbstherrliche Wahn von Macht und Wichtigkeit, an dem dieses Volk bis heute leidet.
Die Zeit verging, Könige fielen, das Dreschen mit Hieb- und Stichwaffen kam aus der Mode. Schusswaffen eroberten den Markt. Sogar die Genossenschafter des alpinen Kleinstaates, zwar alles in allem kauzig und eigen geblieben, gingen mit dem Puls der Zeit und stellten die Söldnerdienste weitestgehend ein. Allein zur Dekoration des Vatikans begaben sich noch hie und da ein paar besonders kauzige Exemplare ihrer Gattung in Söldnerverträge. Die übrigen diensttauglichen Milizionäre verweilten in der Heimat, um diese im Falle eines Falles bis zum Blut zu verteidigen.
Allerdings ist dieser Ernstfall bis heute nie eingetreten und wird vermutlich auch nie eintreten, denn in Zeiten grosser Not und Unruhe, waren die Genossenschafter stets clever genug, Moral und Ethik zu vergessen und im rechten Moment selbst mit dem Teufel zu packtieren, wenn sich daraus ein Vorteil ergab. Leider waren sie aber dennoch zu stolz, dies hinterher auch zuzugeben.
So warten sie bis heute zuhause in den warmen Stuben, das Gewehr griffbereit, auf dass irgendwoher ein Feind auftaucht, den es nicht gibt und während sie warten, erzählen sie sich Geschichten von vergangenen Heldentaten, die so nie geschehen sind.


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